"Heimat als Hin- und Hergerissensein": Ausstellung "Gesichter des Islam"

Lebensentwürfe mit und ohne Kopftuch: "Gesichter des Islam"

Seit fünfzig Jahren leben türkische Frauen und Männer in Deutschland. Gerade seit den Terroranschlägen in 2011 werden sie in der öffentlichen Diskussion oftmals nur noch in ihrer Religion, dem Islam, wahrgenommen.  Die eigene Sichtweise zeigt die Ausstellung „Gesichter des Islams“, die bis zum 2. Dezember im Foyer der Max-Eyth-Schule in Als-feld zu sehen ist: „Heimat als Hin- und Hergerissensein“ zwischen türkischer Herkunft und deutschem Lebensumfeld.

Etwa zwei Dutzend Frauen und einige Männer, überwiegend aus Nordrhein-Westfalen und Norddeutschland, haben Studierende der Hochschule Aachen für das Ausstellungsprojekt befragt und portratiert. Sie geben Auskunft darüber, vor welche alltäglichen Probleme ihre Religion sie in einer christlich geprägten Umwelt stellt.

Frau A. aus Hannover zum Beispiel hat sich für das Kopftuch entschieden. Damit kann die studierte Rechtsanwältin ihrem Beruf aber nicht nachgehen, arbeitet deswegen als Schreibkraft in einem Ingeneurberuf. Demütigend ist für sie, dass viele Deutsche das Kopftuch mit Rückständigkeit verbinden: „Die Menschen begegnen mir anders. Sie denken, ich verstehe kein Deutsch und ich sei radikal.“

Die Entwicklung des türkischen Islams in Deutschland wird auch von den befragten Migran-tinnen und Migranten als schwierig eingeschätzt. So stellt Özlem Deger aus Holzminden fest: „„Diskriminierungen und Fundamentalismus nehmen zu. Es gibt immer mehr Fundamentale, Fanatische; Leute, die um jeden Preis ihren Kopf bedecken und sich so ihre eigene Religion aufbauen.“

Überwiegend wird das Leben in Deutschland aber als „Patchwork“ angesehen. Dies bringt Nursen Sözer aus Aachen auf den Punkt: „Es gibt sehr vieles, was ich hier lernen kann, und es gibt sehr vieles, was aus der Tradition aus meinem Ursprungsland kommt. Ich stehe in der Mitte und versuche, mir das Beste aus beidem zu nehmen. Das ist nicht immer einfach.“

Die Ausstellung in Alsfeld ist Teil des Bundesprojektes „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“. Sie ist geöffnet montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr.  Öffnungszeiten am Abend für interessierte Gruppen sind möglich nach Absprache mit dem Evangelischen Dekanat Alsfeld, 06631-91149


"Fisfüz" in Leusel: Türkisch-deutscher "Oriental Chamber Jazz" am Freitag, 18.11.2011, 20 Uhr

Weltmusk vom Feinsten: "Fisfüz" - Mit einem Klick zur Weltmusik-Comco

Manchmal liegt die Sensation im Umgang mit der Tradition. So auch bei FisFüz, einem deutsch-türkischen Ensemble, das sich nicht auf die Begegnung zweier Nationen und Kulturen beschränkt, sondern den ganzen Mittelmeerraum und etwa 3000 Jahre Kulturgeschichte als seinen musikalischen Fundus betrachtet. Spanisches, Italienisches, Türkisches, Nahöstliches und Nordafrikanisches fließt da mit Jazz zusammen, Uraltes, Mittelaltes und ganz Neues.

FisFüz, das ist das Zusammenspiel von Klarinette, Oud und Percussion, zugleich zwischen zwei türkischen Musikern und einer deutschen Musikerin. Galt FisFüz beim Ökumenischen Kirchentag in München letztes Jahr noch als Geheimtipp, so war die Halle beim diesjährigen Kirchentag in Dresden bereits nahezu überfüllt.

„Und weil wir in 2011 fünfzig Jahre Zuwanderung aus der Türkei nach Deutschland feiern, haben wir die Weltmusik-Combo von der Dresdner Bühne weg für ein Konzert in Alsfeld-Leusel engagiert“, so Ralf Müller vom Evangelischen Dekanat. Zugleich werde mit dem Konzert die Ausstellung „Gesichter des Islams“ in der Alsfelder Max-Eyth-Schule eröffnet.

Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr in der Evangelischen Kirche in Alsfeld-Leusel. Der Eintritt beträgt 10 Euro/ermäßigt 5 Euro. 

Konzert und Ausstellung werden gefördert aus dem Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken".



"Auf Du mit dem Staatsoberhaupt" - MES-Schülerinnen trafen Bundespräsidenten

Die Schülerinnengruppe im Bundestag vor der "Fetten Henne", dem Bundestags-Adler

Der Bundespräsident steht für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Damit gehören interkulturelle und interreligiöse Fragen zum Alltag des Staatsoberhauptes. Dies erläuterte Amtsinhaber Christian Wulff etwa 120 Jugendlichen aus ganz Deutschland im Kuppelsaal der Berliner Synagoge Oranienburger Straße. Als einzige Gruppe aus Hessen waren neun Schülerinnen der Alsfelder Max-Eyth-Schule ausgewählt, an der Tagung am vergangenen Donnerstag teilzunehmen.

Jüdische, christliche und islamische Dachverbände hatten in die Bundeshauptstadt eingeladen, um ihr Trialogprojekt „Weisst du wer ich bin“ feierlich abzuschließen. Seit 2007 gehört auch der „Weltreligionentag“ an der Alsfelder Schule zu den geförderten lokalen Maßnahmen. Mit der Zielgruppe Berufsschüler stellt das Alsfelder Projekt eine Besonderheit im bundesweiten Reigen der lokalen Trialog-Projekte dar. Auch die inzwischen fünfjährige Kontinuität führte zur Einladung nach Berlin.

Höhepunkt der fünfstündigen Veranstaltung war für die 17- und 18jährigen Schülerinnen sicher das zweistündige Gespräch mit dem Bundespräsidenten. Enttäuscht bis verärgert reagierten die jungen Frauen dann auch darauf, dass die Veranstalter von Erstklässlern bis hin zu angehenden Abiturientinnen in die vergoldete Kuppel der Synagoge in Berlin-Mitte eingeladen hatten. Die Sechsjährigen scherten sich wenig um protokollarische Gepflogenheiten und redeten das Staatsoberhaupt statt mit „Herr Bundespräsident“ schlicht mit dem kindlichen „Du“ an. Schlimmer war jedoch, dass sie sich altersgemäß mehr für den Dienstwagen und die Anzahl der Leibwächter Wulffs interessierten als für die Möglichkeiten und Schwierigkeiten des interkulturellen Miteinanders.

Dennoch kam es auch zu eindeutigen Positionierungen des Bundespräsidenten: Er stamme aus Osnabrück, erzählte Christian Wulff den Schülerinnen und Schülern. Politisches Engagement sei ihm bereits in der Familie nahe gebracht worden: mit dem „SPD-Vater“ und der „CDU-Mutter“ seien viele Kontroversen auch innerhalb der Familie ausgetragen worden. Wulffs eigenes politisches Engagement sei jedoch durch einen rechtsradikalen Anschlag in seiner Heimatstadt hervorgerufen worden: „Dass die neue Synagoge in Osnabrück von einem Jugendlichen mit einem Hakenkreuz beschmiert worden ist, das hat mich politisiert.“ Seine junge Zuhörerschaft forderte auf, an der Integration von Migranten mitzuwirken: „Wir müssen von allen etwas erwarten, nicht nur von den Zugezogenen.“

Still wurde es, als eine junge muslimische Frau den Bundespräsidenten um Hilfe bat: Als religiöse Muslima trage sie Kopftuch. Sie verstehe nicht, warum das Kopftuch ihr den Zugang als Lehrerin an staatlichen Schulen verbaue. Wulff versuchte keine Ausflüchte: „In Ihrem Fall ist das eine persönliche Härte“, leitete das Staatsoberhaupt seine Stellungnahme ein. Er sehe, dass seine junge Gesprächspartnerin mit dem Kopftuch weder missionieren noch eine Ideologie verbreiten wolle. Er sei sich sicher, dass für diese junge Frau das Kopftuch schlicht zu ihrer Alltagsreligion gehöre, zu ihrem persönlichen Lebensentwurf. Dennoch müsse der oberste Repräsentant des Staates auf die obersten Richter des Staates verweisen: Das Bundesverfassungsgericht habe geurteilt, dass sich staatliche Schulen weltanschaulich neutral verhalten müssen. Lehrerinnen und Lehrer sollen für diese Neutralität stehen. „Die Religionsfreiheit ist ein hoher Wert unserer Gesellschaft. Die Neutralität des Staats ist ein ebenso hoher Wert“, kommentierte Wulff. Diese beiden Werte seien  nicht miteinander vereinbar. So beschloss das Staatsoberhaupt die Anfrage der jungen Frau mit der klaren, schlichten Antwort: „Ich kann Ihnen nicht helfen.“

War die Diskussion hiermit bei den echten Problemen der politischen Gestaltung der interreligiösen und interkulturellen Gesellschaft angelangt, zeigte Wulff sich sichtlich bemüht, im Fortgang des Gesprächs lieber die Fragen der Grundschülern nach Automarken und Leibwächtern zu beantworten, als mit den älteren Schülerinnen und Schülern die politischen Kernfragen im Zusammenleben der Kulturen zu diskutieren.

Eigene Fremdheitserfahrungen machten die Alsfelder Schülerinnen am Folgetag: Neben dem üblichen Besuch des Bundestages besuchten sie am Abend einen jüdischen „Kabbalat-Schabbat“-Gottesdienst in der Synagoge Pestalozzistraße. Beeindruckt zeigten sie sich nicht nur von der großen Anzahl der Gläubigen, sondern auch vom Miteinander der hebräischen und deutschen Sprache in der Liturgie. Der Gottesdienst folgte dem Ritus der „liberalen Juden“. Orgelmusik und eine Frau, die während des Gottesdiestes vom 


Einladung steht: Alsfelder Schülerinnen diskutieren mit Bundespräsidenten

Die Einladung kam überraschend, nur wenige Projekte bundesweit sind ausgewählt: Am Donnerstag, dem 03. November 2011, findet in der Berliner Synagoge die Finnissage des bundesweiten Projektes "Weisst du wer ich bin" statt.

Seit 2007 gehört der "Weltreligionentag" zum festen Schuljahresbestandteil der Alsfelder Max-Eyth-Schule. Nun sind die Schulpfarrerin Christine Schellhaas und Projektleiter Ralf Müller mit zehn Schülerinnen zur Abschlusstagung nach Berlin eingeladen.

Der Clou: Niemand geringeres als der Bundespräsident diskutiert mit den Schülergruppen über Fragen des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religion


Ruku und Raka und ein Buch ohne Vokale

Mehrere Ruku´ ergeben einen Rak´a, oder: mehrere Verbeugungen und Niederwerfungen im Gebet ergeben einen Gebetsabschnitt. Dies erläuterte der Islamwissenschaftler Selcuk Dogruer bei einem Besuch der 11. Klassen der Alsfelder Albert-Schweitzer-Schule in der Fatih-Moschee in Stadtallendorf, mit über 700 Plätzen einer der größten Moscheen Hessens.

Ein Buch ohne Vokale präsentierte Amnon Orbach den Schülern bei einem Besuch in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Marburgs: Die Tora-Rolle enthalte keine Vokale. Deswegen bedürfe es großer Übung, direkt aus der Tora-Rolle zu lesen.

Die beiden Exkursionen sind Teil der "Projektwoche Abrahamische Religionen", welche die ASS zwischen Notenkonferenzen und Zeugnisvergabe in der letzten Januar-Woche erstmalig und in Kooperation mit dem Evangelischen Dekanat durchführt.

Unsere Presseberiche können Sie mit einem Klick auf das jeweilige Foto lesen.


Begegnung mit Religionen, Konflikte im Zusammenleben der Religionen: Weltreligionentag 2010 in Alsfeld

Bereits zum vierten Mal veranstaltete die Max-Eyth-Schule in Alsfeld den "Weltreligionentag".

Dieser ermöglichte die Begegnung mit Menschen, die für ihre Religion stehen und Auskunft geben. Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter der drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam.

Erstmalig wurden auch die Konflikte angesprochen, die beim Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher religiöser Prägung auftreten können. Am Beispiel einer interkulturellen Gemeinwesen-Mediation wurden die unterschiedlichen Bedürfnisse unterschiedlicher Menschen diskutiert und nach Lösungsmöglichkeiten gesucht.

Den Pressebericht aus der Alsfelder Allgemeinen vom 02.03.2010 finden Sie hier!

Der Weltreligionentag wude gefördert aus Mitteln des bundesweiten Projekts "Weisst du wer ich bin".


Religionen zum Anfassen - Koffer zum Ausleihen

Vielfalt der Christentümer: Einer von fünf Multiplikatorenkoffern

Religionen und Kulturen zum Anfassen: Dies ermöglichen die ersten fünf Koffer, die von Religionsgemeinschaften und Migrantinnen für das Evangelische Dekanat Alsfeld gepackt wurden. Mehr zu den Koffern und zur Ausleihe gibt´s mit einem Klick auf das Bild.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Alltagsreligionen - Religionen im Alltag

Die große Reise - Szenenbild
Die große Reise - Szenenbild

Die große Reise, Broken Silence und der Tango der Rashevskis:
Warum interreligiöse Begegnung in Alsfeld im Kino stattfindet

"Weisst du wer ich bin?", fragten die drei abrahamischen Religionen in ihrem bundesweiten Projekt. Auch das Dekanat Alsfeld beteiligte sich mit mehreren Veranstaltungen.

Warum interreligiöse Begegnung im Kino stattfand, erläutert die Projekt-Dokumentation.

Übrigens: Dieses Projekt war der Vorläufer des Vogelsberger KirchenKinos!